Costa Rica

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3–4 Minuten

Wir kommen aus Bolivien und der Schweiz, und trotzdem ist Costa Rica für eine ganze Weile zu einem Stück unseres Lebens geworden. Der Grund: Ich habe 2024/2025 für zehn Monate in San José gearbeitet.

Ich war in einer kleinen NGO tätig, die sich für Menschenrechte, Migration und die Rechte der indigenen Bevölkerung einsetzt. Dort durfte ich nicht nur wertvolle Erfahrungen sammeln, sondern auch grossartige Menschen kennenlernen. Durch Workshops, Seminare und Kurse bin ich Menschen aus ganz Lateinamerika begegnet. Gemeinsames Essen, lange Gespräche und voneinander lernen: Das alles hat mich stark geprägt. Wenn ich an die Zeit zurückdenke, sind es vor allem diese Begegnungen, die geblieben sind.

Auch mein Alltag in San José war schöner, als ich es der Stadt zugetraut hätte. Ich konnte zu Fuss zur Arbeit gehen und wohnte ganz in der Nähe der Sportanlagen der Universität. Dort habe ich oft Spaziergänge gemacht, diese grüne Oase mitten in der Stadt genossen und bin sogar ein paar Mal schwimmen gegangen. Einmal pro Woche ging ich zum Thai Chi bei meiner Nachbarin, und jeden Samstag führte mich der Weg auf den Markt, um frisches Obst und Gemüse zu kaufen. Es waren kleine Routinen, die mir ein Gefühl von zuhause gegeben haben.

Und trotzdem: San José ist aus meiner Sicht keine schöne Stadt, und deshalb habe ich oft versucht, sie zu verlassen. Costa Rica bietet eindrückliche Natur, wunderbare Strände und endlos viel zu erleben. Aus meinen zehn Monaten sind vier Orte zu meinen Favoriten geworden.

Playa Montezuma
Montezuma ist ein kleines Dorf, das sich nicht so überlaufen anfühlt wie viele andere Orte in Costa Rica, und genau das macht für mich seinen Vibe aus. Wir haben dort drei Tage fast ausschliesslich im Meer verbracht, sind zu Wasserfällen gelaufen und haben gut gegessen. Nachts lagen wir schwitzend im Bett, weil die Temperatur einfach nicht sank und wir keine Klimaanlage hatten. Tagsüber zuckten wir immer wieder zusammen, wenn eine Mango mit einem lauten Knall auf unser Dach fiel. Montezuma ist ein Ort, an dem man ein paar Tage bleibt und den Rest der Welt ziemlich schnell vergisst.

Playa Carrillo
Nur wenige Minuten vom sehr touristischen Samara entfernt liegt Carrillo, und es fühlt sich dort an, als wäre man in einer ganz anderen Welt. Der Sandstrand zieht sich kilometerlang an Palmen entlang, und wir sind stundenlang barfuss darauf spaziert und haben bis nach Sonnenuntergang in den Wellen gespielt. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Bootsausflug: Dutzende Delfine schwammen neben unserem Boot her, im klaren Wasser sahen wir Meeresschildkröten, und nach dem Schnorcheln assen wir an Bord frische Ananas und Wassermelone.

Puerto Viejo / Playa Chiquita
Puerto Viejo ist ein süsser kleiner Ort, in dem man sich schnell zu Hause fühlt. Die Strände sind klein und von Bäumen gesäumt, und mit dem Fahrrad fährt man ganz gemütlich von einem zum nächsten. Dazwischen schlendert man durchs Dorf, und findet meinen liebsten Obststand. Rundherum ist viel Natur, und mit etwas Glück sieht man Faultiere und Papageien. Und weil Panama von hier aus nicht weit ist, lassen sich auch Ausflüge über die Grenze gut machen.

Monteverde
In Monteverde dreht sich alles um die Natur, und wir haben dort drei Tage verbracht, von denen sich jeder völlig anders anfühlte. Am ersten Tag sind wir mit der Zipline durch den Wald gesaust, mit Ausblicken, bei denen man kurz vergisst, dass man gerade an einem Seil hängt. Am zweiten Tag waren wir im Nebelwald, zwischen Vögeln, anderen Tieren und Grün, soweit das Auge reichte. Am dritten sind wir zu den Wasserfällen gewandert. Und jeden Abend gab es einen dieser Sonnenuntergänge, bei denen man einfach stehen bleibt und zuschaut, bis das Licht ganz verschwunden ist.

Ich durfte die wunderschönen Landschaften, Sehenswürdigkeiten und touristischen Orte kennenlernen, vor allem aber das Leben in Costa Rica: Alltag, Arbeit, Austausch. Manchmal kommt es mir surreal vor, dass ich wirklich zehn Monate dort gearbeitet habe. Dass ich den Schritt gewagt habe, mit meinem damals noch spärlichen Spanisch einfach gegangen bin und mich auf etwas komplett Neues eingelassen habe. Es passieren schöne Sachen, wenn man seine Komfortzone ab und zu verlässt und Costa Rica wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.

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